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SPD-Wohnkongress mit Experten aus Wissenschaft und Politik – Ergebnisse fließen in die kommunalpolitische Arbeit ein – Kölner Wohnungsmarkt muss gerechter werden

 2013-11-22 VA Wohnen web

„Bezahlbaren Wohnraum schaffen und Verdrängung verhindern“ – unter diesem Motto lud die Kölner SPD-Fraktion am gestrigen Freitag zu einem Kongress ins Rathaus. Die SPD-Fraktion hatte dazu Experten aus Wissenschaft und Politik geladen, um zu diskutieren, wie sich neuer Wohnraum gerecht schaffen lässt und was man gegen Verdrängung und Luxussanierungen in vielen Kölner Veedeln konkret unternehmen kann.

Der Vorsitzende der KölnSPD, Jochen Ott, machte klar, dass sich die Kosten für die Schaffung von mehr Wohngerechtigkeit auf alle Stadtteile verteilen müssen. Er trat in diesem Zusammenhang auch den jüngsten Äußerungen von Konrad Adenauer in aller Deutlichkeit entgegen. „Was Adenauer predigt, ist das Gegenteil einer solidarischen Stadtgesellschaft. Er propagiert das Modell einer asozialen Stadt“, so Ott.

Der Kölner Soziologe und Experte für Gentrification, Prof. Dr. Jürgen Friedrichs, erklärte was Verdrängung aus wissenschaftlicher Sicht bedeutet und wie sich das in Köln in der Realität messen lässt. „Gentrification kann eine Spirale in Gang setzen, an deren Ende es keine Mietwohnungen in einem Viertel mehr gibt.“, so Friedrich. Lars Pochnicht, Bürgerschaftsabgeordneter aus Hamburg, erläuterte, wie in der Hansestadt wirksam gegen Luxussanierungen mit Hilfe von sogenannten Sozialen Erhaltungssatzungen vorgegangen wird. „In Hamburg arbeiten Politik und Verwaltung in enger Abstimmung. So können wir Verdrängungsprozesse abmildern“. Andreas Lotte, Abgeordneter des bayrischen Landtags und SPD-Stadtrat in München, zeigte auf, wie auf dem teuren Pflaster München Wohnraum in größerer Zahl mit Hilfe des Modells der Sozialen Bodennutzung geschaffen wird. „Wir haben derzeit 17 Erhaltungsgebiete in München und schützen damit über 170.000 Menschen in unserer Stadt.“

Anschließend diskutierte das interessierte Publikum lebhaft um die zukünftige Gestaltung des Kölner Wohnungsmarktes. Am Ende waren sich alle Beteiligten einig: Köln kann von anderen Kommunen lernen, muss aber auch eigene Lösungen finden. Denn Köln braucht einen gerechten Wohnungsmarkt, der für jeden Geldbeutel ausreichend Wohnraum zur Verfügung stellt.

Fraktionschef Martin Börschel versprach den Anwesenden: „Wir haben heute aufmerksam zugehört und werden die Ergebnisse der Diskussion in unsere politische Arbeit im Rat einfließen lassen.“ In seiner nächsten Sitzung am 17. Dezember wird der Rat der Stadt Köln über das „Kooperative Baulandmodell“ und die Einführung von „Milieuschutzsatzungen“ beraten. Bereits hier hat man die Modelle „Soziale Bodennutzung“ aus München und die Milieuschutzsatzungen in Hamburg als Vorbild vor Augen. „Wir haben heute über den Tellerrand geguckt und werden unsere Entscheidung weiter ideologiefrei diskutieren und logisch begründen“, so Börschel. „Unsere Entscheidung werden wir nach einem breiten Dialog treffen.“

Referenten, Moderatoren und Diskutanten:

Prof. Dr., Jürgen Friedrichs, Soziologe, Universität Köln

Lars Pochnicht, MdHB, Mitglied Stadtentwicklungsauschuss

Andreas Lotte, MdL, Stadtrat, wohnungspolitischer Sprecher

Martin Börschel, MdL, Vorsitzender SPD-Fraktion Köln

Jochen Ott, MdL, Mitglied im Ausschuss Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr, Vorsitzender KölnSPD

Michael Frenzel, stadtentwicklungspolitischer Sprecher SPD-Fraktion Köln

Christian Joisten, Vorsitzender Heinz-Kühn-Bildungswerk Köln e.V.