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Bereits im Jahr 1996 erwarb die Landesentwicklungsgesellschaft für den Grundstücksfonds des Landes NRW eine etwa fünf Hektar große Liegenschaft auf dem ehemaligen Werksgelände der Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD) in Köln-Mülheim. Diese Liegenschaft lag nun über viele Jahre brach und wurde zunehmend baufällig. In mehreren vorausgegangenen Kleinen Anfragen sowie einem Antrag zum Direktverkauf an die Stadt Köln im Rahmen der Beratungen zum Landeshaushalt 2021 haben wir als SPD-Landtagsfraktion in den vergangenen Jahren unsere Vorschläge zur städtebaulichen nachhaltigen Nutzung der Flächen eingebracht, die von der Landesregierung und den Koalitionsfraktionen jedoch bisher abgelehnt wurden.

Nach vielen Jahren des Stillstands soll nun in Kooperation mit den übrigen Grundstückseigentümern des ehemaligen Werksgeländes endlich das neue Otto-Langen-Quartier entwickelt werden. In den benachbarten geschichtsträchtigen Hallen der früheren Hauptverwaltung der KHD wurde vor fast 150 Jahren der Viertaktmotor entwickelt und die Weltmotorisierung revolutioniert. Vor fast 10 Jahren konnte dann die Künstlerinitiative „raum13“ die Hallen für eine kleine Miete zur Zwischennutzung anmieten und dort bis heute ihr „Zentralwerk der schönen Künste“ betreiben.

Nach monatelangem Ringen, Werben und Hoffen müssen diese Künstler nun nüchtern Bilanz ziehen. Trotz zahlreicher Willensbekundungen und parteiübergreifender Beschlüsse ist es der Stadtspitze bis heute nicht gelungen, den Weg für eine innovative und zukunftsorientierte Stadtentwicklung und den Erhalt von raum13 frei zu machen. Die perspektivische Entwicklung eines urbanen, gemischten und gemeinwohlorientierten Quartiers auf dem Gelände der KHD findet voraussichtlich mit der gerichtlich festgelegten Zwangsvollstreckung am 29. April 2021 vorerst sein jähes und schmerzhaftes Ende und der Verkauf an den höchstbietenden Investor droht Realität zu werden.

Kulturelle Chancen und die Gelegenheit einer sozialen Entwicklung des Quartiers dürfen nicht leichtfertig vertan werden. Aus diesem Grund habe ich eine weitere Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Die Möglichkeit einer Anmietung und Zwischennutzung der landeseigenen Flächen im Otto-Langen-Quartier durch die Künstlerinitiative „raum13“ muss jetzt geklärt und durch die Landesregierung beantwortet werden.

Wie deutlich Gemeinwohl und Investorenlogik auseinanderliegen und gesellschaftliche Konflikte befeuern können, zeigt sich an diesem Negativbeispiel leider wieder viel zu gut.  Mieten und Bodenpreise explodieren in fast allen großen Städten – vor allem auch im eng besiedelten Köln. Statt weiterer Bodenspekulation brauchen wir neue integrative Konzepte, die Kultur, Gewerbe und sozialen Wohnraum zusammen denken. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in lebenswerten, gemischten und kulturell reichhaltigen Quartieren für alle Kölnerinnen und Kölner muss endlich möglich gemacht und mutig durchgesetzt werden.